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Photovoltaik Mietwohnung Österreich: Rechte der Mieter:innen, Pflichten der Vermieter:innen

Immovio15. Juni 20264 Min. Lesezeit
Photovoltaik Mietwohnung Österreich: Rechte der Mieter:innen, Pflichten der Vermieter:innen

Solarstrom in Mietwohnungen ist ein Thema, das immer öfter auf den Tisch kommt. Mieter:innen wollen Balkonkraftwerke installieren, fragen nach Dach-PV oder möchten Teil einer Energiegemeinschaft werden. Als Vermieter:in stellt sich schnell die Frage: Was muss ich dulden, was darf ich ablehnen und welche Möglichkeiten habe ich selbst? Hier bekommst du einen Überblick über die aktuelle Rechtslage zur Photovoltaik in der Mietwohnung in Österreich.

Photovoltaik in der Mietwohnung Österreich: Die wichtigsten Grundlagen

Beim Thema Photovoltaik und Mietwohnungen gibt es drei verschiedene Szenarien, die du unterscheiden solltest:

  • Balkonkraftwerk: Eine kleine Steckeranlage (bis 800 Watt), die Mieter:innen am Balkon oder auf der Terrasse aufstellen wollen
  • Dach-PV-Anlage: Eine größere Anlage am Gebäude, die du als Vermieter:in selbst errichtest oder initiierst
  • Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA) / Energiegemeinschaft: Ein Modell, bei dem PV-Strom gemeinschaftlich erzeugt und an Mieter:innen weitergegeben wird Die Rechtslage ist je nach Szenario unterschiedlich.

Balkonkraftwerke in der Mietwohnung: Was du dulden musst

Das Balkonkraftwerk ist das Thema, mit dem du als Vermieter:in am häufigsten konfrontiert wirst. Seit September 2024 gibt es in Österreich durch die WEG-Novelle neue Regelungen, die jedoch primär Wohnungseigentümer:innen betreffen. Für Mietverhältnisse ist die Rechtslage weniger eindeutig geregelt, es gelten aber folgende Grundsätze:

Ohne bauliche Veränderung

Ein Balkonkraftwerk, das einfach auf den Balkonboden gestellt oder mit einem Haken an der Brüstung eingehängt wird (ohne Bohrungen oder dauerhafte Befestigung), gilt in der Regel als normaler Gebrauch der Wohnung. Hier ist eine Zustimmung durch dich als Vermieter:in nicht zwingend erforderlich.

Mit baulicher Veränderung

Sobald Bohrungen, Dübel oder andere dauerhafte Veränderungen an der Bausubstanz nötig sind, brauchen Mieter:innen deine schriftliche Zustimmung. Du kannst die Zustimmung verweigern, allerdings nur aus triftigen, sachlich begründbaren Gründen:

  • Statische Bedenken am Gebäude
  • Gefährdung des Brandschutzes
  • Denkmalschutz oder Ortsbildschutz
  • Unzumutbare Beeinträchtigung anderer Mieter:innen Eine pauschale Ablehnung ohne Begründung ist nach der aktuellen Rechtsentwicklung nicht haltbar.

Anmeldepflicht beim Netzbetreiber

Unabhängig von deiner Zustimmung: Jedes Balkonkraftwerk in Österreich muss beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet werden. Das ist Aufgabe der Mieter:innen, aber du solltest davon wissen.

Rückbaupflicht beim Auszug

Wenn Mieter:innen ein Balkonkraftwerk mit baulichen Änderungen installiert haben, müssen sie beim Auszug alles auf eigene Kosten zurückbauen, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Halte das schriftlich fest.

Hier weiterlesen: Übergabeprotokoll erstellen: So machst du es richtig

Dach-PV als Vermieter:in: Eine Chance, keine Pflicht

Eine größere PV-Anlage auf dem Dach oder an der Fassade liegt allein in deiner Hand als Vermieter:in. Mieter:innen haben kein Recht darauf, dass du eine solche Anlage installierst. Für dich kann es aber eine attraktive Möglichkeit sein:

  • Du produzierst Strom auf deiner Immobilie
  • Du kannst diesen Strom über ein Mieterstrommodell an deine Mieter:innen weitergeben
  • Du wertest deine Immobilie auf und verbesserst den Energieausweis Für die Errichtung einer Dach-PV brauchst du je nach Gebäudetyp und Bundesland eine Baubewilligung. Bei Mehrparteienhäusern im Wohnungseigentum ist zusätzlich die Zustimmung der Mehrheit der Miteigentümer:innen erforderlich.

Hier weiterlesen: Energieausweis beim Vermieten in Österreich: Pflicht, Kosten und Ablauf

Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA): Strom direkt an Mieter:innen liefern

Das Modell der Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage ermöglicht es dir als Vermieter:in, selbst erzeugten PV-Strom direkt an deine Mieter:innen weiterzugeben, ohne die vollen Pflichten eines Energieversorgers übernehmen zu müssen. Das ist seit der Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft-Regelung in Österreich möglich und für kleinere Mehrparteienhäuser besonders interessant.

Die Mieter:innen profitieren dabei von günstigerem Strom, du profitierst von einer höheren Attraktivität deiner Immobilie. Eine GEA erfordert allerdings eine sorgfältige Planung und Abrechnung, weshalb es sinnvoll ist, professionelle Beratung einzuholen.

Damit die laufende Abrechnung mit mehreren Mietparteien reibungslos funktioniert, hilft ein strukturiertes Verwaltungstool wie immovio dabei, Zahlungsströme und Vereinbarungen übersichtlich zu halten.

Hier weiterlesen: Heizkosten abrechnen als Vermieter in Österreich: Pflichten, Fristen und häufige Fehler

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG): Mieter:innen können unabhängig beitreten

Ein Punkt, den viele Vermieter:innen nicht wissen: Mieter:innen können unabhängig von dir einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) beitreten und dort günstig PV-Strom beziehen. Das erfordert keine Zustimmung von dir und hat keine Auswirkungen auf das Mietverhältnis. Mieter:innen müssen dich darüber auch nicht informieren.

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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Nein. Eine pauschale Ablehnung ohne sachliche Begründung ist nach aktueller Rechtslage nicht haltbar. Du kannst die Zustimmung zu baulichen Änderungen nur aus triftigen Gründen wie Brandschutz, Statik oder Denkmalschutz verweigern.

Das hängt von der Installationsart ab. Ohne bauliche Änderungen (einfaches Aufstellen) ist keine Zustimmung erforderlich. Für dauerhafte Befestigungen mit Bohrungen oder Dübeln hingegen schon.

Nein. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, eine Dach-PV-Anlage zu errichten. Das liegt allein in deiner Entscheidung als Vermieter:in.

Mieter:innen müssen bauliche Veränderungen beim Auszug auf eigene Kosten rückbauen, sofern keine andere schriftliche Vereinbarung getroffen wurde. Halte das im Übergabeprotokoll fest.

Eine GEA erlaubt es dir, selbst erzeugten PV-Strom direkt an deine Mieter:innen weiterzugeben, ohne als Energieversorger zu gelten. Es ist ein attraktives Modell für Mehrparteienhäuser, erfordert aber eine strukturierte Planung und Abrechnung.

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